Besucherbergwerk Sankt Anna am Freudenstein nebst Troster Stolln


Direkt zum Seiteninhalt

Die Geschichte von Sankt Anna

Die erste urkundliche Erwähnung der Fundgruben am Freudenstein findet sich in den Zubußakten des Schneeberger Reviers im Quartal Crucis 1492. Damals mußte Herzog Albrecht 4 Gulden auf seine 8 Kuxe Zubuße an die Grubengewerkschaft zahlen, das sind 10 Groschen pro Kux. Der Betrieb war zunächst nicht von großem Erfolg gekennzeichnet. Davon zeugen mehrfache Neuverleihungen der Gruben. Der erste namentlich bekannte Eigner war der Herr Dittrich Wyko, dem 1502 die Freudenstein- Fundgrube verliehen wurde.

Man muß bedenken, daß die ersten Bergleute keinerlei Hilfsmittel zur Erkundung der Erzhöffigkeit besaßen. Sie folgten mit Mut und großer Ausdauer und immer in der Hoffnung auf Erzanbrüche einmal gefundenen Erzgängen nach, wovon z.B. Namen wie: "Trau auf Gott - Wag`s fort - Flacher" zeugen. Auch die Wahl von Schutzheiligen als Namenspatron der Bergwerke kam nicht von ungefähr. Die heilige Anna stand nicht nur für unser Bergwerk Pate, sondern auch für die um 1496 gegründete Bergstadt Annaberg oder für die St.Anna-Fundgrube zu Wolkenburg.

Mit der Verleihung an Hans Saltzberger 1522 und der Einstellung von Hans Glaser als Schichtmeister 1525 begann ein systematischer Grubenbetrieb. Die ersten, vom Tal aus begonnenen Stollen erreichten die Bergwerke und schafften Wasserlösung. Zugleich fand man erstmals größere Erzmengen.

Mit der Aussicht auf Gewinn stieg auch die Bereitschaft zu Investitionen. Während für die Fundgrube Sankt Anna 1525 noch 55 Gulden Ausgaben bei 36 Gulden Einnahmen belegt sind, stiegen die Einnahmen 1526 bereits auf 148 Gulden. Damit konnten mehr Gänge untersucht und letztlich auch mehr Erz gefördert werden.

Alle großen Erzgänge des Grubenfeldes wurden in dieser Zeit entdeckt. Bis zum Ende des 16.Jahrhunderts wurden etwa 95% der noch heute vorhandenen Grubenbaue geschaffen. Die Gruben besaßen eine eigene Erzwäsche. Auf dem St.Anna-Kunst- und Tagesschacht wurde mit Hilfe eines Pferdegöpels gefördert.



Mitte 1526 konnte die St.-Anna-Fundgrube erstmals Ausbeute an die Kuxinhaber zahlen. Im Quartal Trinitatis 1527 wurde mit 528 Mark und einem Lot erschmolzenem Silber der absolute Höhepunkt erreicht. Diese Menge brachte der Grube 4949 Gulden Einnahmen, allerdings auch bei 1889 Gulden Ausgaben. Pro Kux wurde der damals gewaltige Betrag von 23 Gulden Ausbeute ausgezahlt !
Die Erzführung war aber auch hier auf die oberflächennahen Bereiche (Zementationszone) konzentriert. Die Fortführung des Bergbaus auf tieferen Bereichen brachte zwar ebenfalls Anbrüche von Erzen, jedoch waren die Gänge stark absetzig in ihrer Erzführung. Daher folgte auf eine kurze Blütezeit schnell ein Niedergang der Grube. Bereits Anfang 1529 war der Silberboom auf St.Anna vorbei... Bis zum Jahre 1572 hatten die Gruben eine Menge von 3080 Mark, das sind etwa 720 Kilogramm Silber, dazu Wismut- und Kobalterz geliefert.
Als "Morgengänge" werden Erzgänge mit einer Streichrichtung zwischen Nordost und Ost, als "Flache" Gänge werden Erzgänge mit einem Streichen zwischen Südost und Süd bezeichnet. Auf den Gängen wurden in einer Gangmasse aus derbem Quarz und Karbonaten hauptsächlich Silber-, Wismut- und Kobalterze gefunden. Diese reichern sich aufgrund von Lösungs- (Oxydationszone) und Fällungsprozessen im Bereich schwankenden Grundwasserstandes (Zementationszone) im oberflächennahen Teil der Gänge besonders stark an ("Reicherz-Zone"). Diese geologischen Eigenheiten sind typisch für viele kleine Ganglagerstätten im Erzgebirge und bedingen die Ähnlichkeit ihrer geschichtlichen Entwicklung.



Das Schneeberger Revier ist vor allem für die Blaufarbenproduktion berühmt. Das Kobaltblau war im Mittelalter die einzige, wirtschaftlich herstellbare blaue Farbe und wurde bis Venedig geliefert. Die Delfter Kacheln und die Meißner Schwerter sind mit Schneeberger Kobaltblau gemalt !



Kein Wunder, daß sich die sächsischen Kurfürsten neben dem Monopol auf das Münzmetall Silber auch die Rechte an der Blaufarbenproduktion sicherten. Über die Erzaufbereitung und Farbherstellung können Sie sich im "Pochwerk Siebenschlehn" in Schneeberg informieren.
Mit mehreren Unterbrechungen ging der Bergbau - hauptsächlich auf Kobalt- und Wismuterz - noch bis 1869 weiter. Unter den letzten Eignern ist Christian Friedrich Kolb hervorhebenswert, nach dem der "Kolb-Flache" benannt ist. Ihm wurde 1792 - 300 Jahre nach der Entdeckung der Erzvorkommen - die Grube verliehen.



Aus dem Jahre 1805 ist ein Bericht des bekannten, "Hochwohlgeborenen Bergkomissariatsrates" von Herder überliefert. Er enthält zwar viele gute Ratschläge, brachte aber weder neues Erz noch neue Investoren. So mußte 1818 auch Kolb aufgeben.
Die Geschichte der Grube hält noch weitere interessante Kapitel bereit: In der "Quarz-Zeche" neben dem Erzgang "St. Bernhard-Flacher" wurde sehr reiner, weißer Quarz abgebaut, der zur Streckung und Abtönung der blauen Farbe benötigt wurde. Auf dem Gegentrum des "St.Anna Flachen" wurde 1918 und 1919 Wolframerz gefunden und abgebaut. Bis 1955 wurde in der Wolframitgrube Zschorlau noch Wolframerz gefördert.



Nach und nach wurden seit 1989 durch die Mitglieder der IG Historischer Bergbau Zschorlau zahlreiche Hohlräume wiederentdeckt und einige für Besucher zugänglich gemacht. Am wichtigsten war zunächst die Wiederherstellung des Unteren Troster Stollns, da hier das in die Gruben zutretende Grundwasser abläuft. Alle Baue unterhalb dieses Stollns stehen heute unter Wasser.




Um den Sicherheitsauflagen für die Zulassung als Besucherbergwerk zu genügen, wurde der Obere Troster Stolln als zweiter Ausgang wieder hergestellt. Er ist über einen Blindschacht im Bereich des Gangkreuzes zwischen Kolb-Flachem und Freudensteiner Morgengang zu erreichen.



Als zusätzlicher Rettungsweg im Gefahrenfall kann inzwischen auch der St.Anna- Stolln genutzt werden, den unsere Vereinsmitglieder in den letzten Jahren ebenfalls begehbar gemacht haben.

Die Normalbefahrung für Besucher erfolgt heute auf dem Niveau des Unteren Troster Stollens. Ein Steigort führt zum höherliegenden Guter Trost- Stolln und über die Quarz-Zeche zurück nach Übertage.



Die erweiterte Führung beinhaltet auch eine Besichtigung des Oberen Troster und des St.Anna- Stollns und weiterer Abbauhohlräume bis zur Vogelsang-Fundgrube.

Als Vereinsheim, Besucherkaue und kleines Museum wurde das ehemalige Gaswerk auf dem anderen Bachufer direkt an der Straße ausgebaut. Hier befinden sich auch Parkplätze für unsere Besucher.


Homepage | Besucherbergwerk | Bilder | Veranstaltungen | Anfahrt | Kontakt | Impressum Datenschutz Disclaimer | Sitemap


Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü